Dieburger Goetheschüler im Zeitzeugengespräch

Eine Zeitzeugin berichtet über Ihr Schicksal während des Zweiten Weltkrieges

Eine Zeitzeugin berichtet über Ihr Schicksal während des Zweiten Weltkrieges

Dieburger Goetheschüler im Zeitzeugengespräch

Am Freitag, den 11.07.14 durften die Schülerinnen und Schüler der Klassen G9d, R10a und R9c Frau Rheinhuber, geb. Calvelli-Adorno, in der Aula begrüßen. Herr Silbach konnte sie für ein erstes Zeit­zeugen­gespräch in der Goethe­schule in Dieburg begeistern.

Die Nichte des Frankfurter Philosophen und Musiktheoretikers Theodor W. Adorno schilderte ihre Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg aus der Sicht einer verfolgten Jüdin zweiten Grades und traf auf eine gespannt zuhörende Schülerschaft.

Sie, eine christlich erzogene, in Deutschland Geborene, erläuterte den gespannten Zuhörern, dass sie von einem auf den anderen Tag zu einer verfolgten Minderheit gehörte, da ihre Großmutter von mütterlicher Seite eine Jüdin war. Sie sah sich als „Mischblütige“ mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert, die ihre Eltern dazu veranlassten, einen Ausreiseantrag in die USA zu stellen. Diese nahm zu jener Zeit jährlich nur 20 000 Flüchtlinge auf, die eine Bürgschaft eines bekannten US-Amerikaners vorweisen mussten. Da sie mit einer zweijährigen Wartezeit rechnen mussten, entschieden sich Frau Rheinhubers Eltern, sie und ihren jüngeren Bruder nach England zu schicken. Dort angekommen, lernte sie sehr schnell die englische Sprache von ihren wechselnden Gastfamilien kennen. Erkannte aber auch, dass sie nicht als Flüchtige angesehen wurde, sondern als deutsche Spionin. Für die Engländer war es unvorstellbar, dass eine Deutsche die englischen Interessen im Zweiten Weltkrieg einnehmen konnte. Ihre Eltern überlebten erfreulicher weise die NS-Zeit in Deutschland, mussten aber mit zahlreichen Repressalien leben. So durfte ihr Vater seinen Beruf als Musiklehrer nicht ausüben und wurde aus der Frankfurter Philharmonie entfernt. Umso glücklicher schloss sie ihre Familie 1947 nach Ende des Krieges wieder in die Arme.

Alle Beteiligten hoffen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Ole Lüddicke, G9d