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Studienfahrt Konzentrationslager Osthofen

Das Konzentrationslager Osthofen bestand von März 1933 bis Herbst 1934. Es war eines der ersten KZ in Deutschland und entstand aus einer Papierfabrik. Der jüdische Fabrikbesitzer wurde gleich als einer der ersten Häftlinge in seinem eigenen Gebäude festgehalten. Dieses Konzentrationslager galt als eine Art „Testlager“ für die später von den Nationalsozialisten errichteten Lager.

 


In dem Konzentrationslager waren insgesamt um die 2500 Häftlinge, wobei die Gefangenen meistens nur vier bis sechs Wochen dort bleiben mussten. Die Insassen waren vor allem politische Gegner (Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter), die den Nationalsozialisten in der Öffentlichkeit im Weg standen. Sie wurden in „Schutzhaft“ genommen, und sollten im KZ zu „richtigen“ Menschen umerzogen werden. Das eigentliche Ziel der Nazis war jedoch die Ausschaltung jeglicher Opposition und die Einschüchterung der Bevölkerung. So wurden zum Beispiel auch Leute ohne besonderen Grund ins KZ Osthofen gebracht. Die Gefangenen mussten zuerst eine Aussage machen, ein Geständnis ihrer Taten ablegen und vor dem Entlassen auch unterschreiben, dass sie die ganze Zeit gut behandelt wurden.

 


Die Haftbedingungen waren sehr hart. Die hygienischen Verhältnisse waren äußerst primitiv und die Häflinge schliefen anfangs auf dem nackten Betonboden, später auf selbstgebauten Holzpritschen. Die Insassen mussten einige völlig unsinnige Arbeiten verrichten (z.B. Sand mit einer kleinen Schaufel von einer Ecke zur anderen bringen oder sie mussten Papierschnipsel aufsammeln, wo keine waren, usw.). Weitere Schikanen und Demütigungen waren an der Tagesordnung.Verweigerte jemand die Zusammenarbeit wurde er ins Lager II gebracht, wo mit verschiedenen Methoden gefoltert wurde. Die Nationalsozialisten legten Wert darauf, dass keiner der Gefangenen starb, um die Bevölkerung nicht zu verschrecken, allerdings wurden viele durch Folter, die schlechten Bedingungen und zu wenig Nahrung krank und meistens nie wieder völlig gesund.

 


An die Öffentlichkeit drangen diese Vorgänge allerdings erst Jahre später. Als die Presse nämlich das KZ besuchte, wurde die Einrichtung als effektives freundliches Umerziehungslager dargestellt. Für die Pressefotografen bekamen die Gefangenen viel zu essen, es wurde niemand bestraft und der Umgang mit ihnen verharmlost.

 


In der Literatur kann man das Konzentrationslager Osthofen beispielsweise in dem Roman „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers finden. Es handelt von sieben Flüchtlingen von denen es nur einer schafft, ins Exil in die Niederlande zu fliehen. Die Jüdin Anna Seghers schrieb den Roman in ihrem Pariser Exil, er wurde 1942 erstveröffentlicht. Im Roman heißt das Lager „Westhofen“ und steht als Symbol für die Machenschaften in Konzentrationslagern schlechthin.

 


1934 hatte das KZ Osthofen seinen Zweck als Testlager erfüllt und wurde geschlossen. Später wurde es als Möbelfabrik zwangsversteigert und heute ist es auf Wunsch ehemaliger Gefangener eine Gedenkstätte.

 


 


Von Carmen Saaler und Johanna Raabe, G10a

Eislaufen i. d. Eissporthalle in Frankfurt im Dezember 2009

Geschichtsprojekt „Brandmale 2009“

 Am 11. September 1944 kurz vor Mitternacht bombadierten rund 220 englische Lancaster-Bomber die damalige hessische Landeshauptstadt Darmstadt. 80 Prozent der Alt- und Kernstadt wurden zerstört, 12 300 Menschen starben, 70 000 wurden obdachlos. Anlässlich des 65. Jahrestages der so genannten Darmstädter Brandnacht veranstaltete die Centralstation Thementage unter dem Motto „Der 11. September – Zerstörung und Wiederaufbau“.

 


Die Klasse G10a der Goetheschule Dieburg nahm mit ihrer Klassenlehrerin Frau Keil am Projekttag „Brandmale“ teil.

 


Am 10. September fand in der Centralstation in Darmstadt ein Projekttag statt. Zahlreiche Schüler waren erschienen, um zum Thema „Brandnacht“ mehr zu erfahren. Nach einer Begrüßung vom Organisator und einer kurzen Einführung des damaligen Zeitzeugen Herr Schmidt wurde der Film „Brandmale“ gezeigt. Im Film wurden Zeitzeugen von damals interviewt und sie erzählten ihre eigenen Geschichten von dieser Nacht. Außerdem war in diesem Film auch der ehemalige  Bomberpilot der Royal Air Force, Harold Nash zu sehen, der von der anderen Seite aus berichten konnte. Im Anschluß an den Film erzählte uns Herr Nash, der extra aus England angereist war, was er damals machte, und daß er sich nie als Held gefühlt hat. Er sagte, er habe nie daran gedacht, dass dort unten Menschen lebten und es tat ihm damals auch gar nicht leid. Im Gegensatz zu heute, wie er erzählte. Er ist heute ein entschiedener Kriegsgegner und schämt sich für seine Vergangenheit.

 


Nach diesen bewegenden Worten sahen wir den Dokumentationsfilm „Running with Mum – Der Weg meiner Mutter“ des englischen Regisseurs Martin Greaves aus dem Jahre 2007. Darin wurden die Erlebnisse einer in Darmstadt geborenen, heute in Großbritannien lebenden Frau geschildert, die nur knapp den Brandbomben der Alliierten auf ihre Geburtsstadt entkam – und dennoch wenige Jahre später einen Engländer heiratete. Diese Frau ist die Mutter des Regisseurs. Sie beschreibt ihrem Sohn wie sie als kleines Mädchen in der Brandnacht mit ihrer Familie flüchtete und zwischendurch Vater und Geschwister verlor, denen sie dann aber wieder begegnete. Gemeinsam mit seiner Mutter ging der Regisseur im Film den Weg ab, den sie damals mit brennenden Beinen rennen musste und es wurden Bilder gezeigt, wie Darmstadt damals und heute aussieht.

 


Zum Abschluß hatten die etwa 300 Zuschauer, vor allem Schüler, die Möglichkeit sich in einer Gesprächsrunde mit den beiden Zeitzeugen, Herr Schmidt und Herr Nash, sowie dem Regisseur des zweiten Films Herr Greaves, auszutauschen.

 


***

 


Hier einige Auszüge aus den Berichten der Schüler:

 


„Meine Klasse ging sehr geschockt und informiert über diese schreckliche Nacht nach Hause. Ich denke es hat allen gut gefallen und keiner fand es langweilig.“

 


„Ich fand die Exkursion sehr interessant, da die Filme sehr ergreifend waren und man wirklich sehen konnt wie schlimm es damals gewesen sein muss.“

 


„Alles in allem konnte man richtig mitfühlen …. Ich denke, so ein Projekttag bringt den Schülern Geschichte näher. Aus dem Buch lesen ist nicht immer die beste Lernmethode. Der Projekttag war eine gute Erfahrung und ich würde gerne wieder so etwas unternehmen. Auch wenn es mit Schule zu tun hatte, es hat Spaß gemacht.“

 


G10a, September 2009