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Gesellschaftslehre

Konzentrationslager Osthofen


Bildung zuerst!


Zeitzeugin Cilly Peiser-Levitus


KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora


09.11.2008


Zeitzeugen


Alfred Delp


Verdun


Konzentrationslager Osthofen

Informationstafel zum Konzentrationslager Osthofen 1933/34
Unsere Klasse auf dem Appellplatz. Bis zu 400 Häflinge mussten jeden Morgen hier zum Appell antreten.
In dieser nasskalten Fabrikhalle mussten die ersten Häftlinge auf dem nur mit wenig Stroh bedeckten Betonboden schlafen. Durch die Haftbedingungen zogen sich viele Häftlinge gesundheitliche Schäden für ihr ganzes Leben zu.

 Das Konzentrationslager Osthofen bestand von März 1933 bis Herbst 1934. Es war eines der ersten KZ in Deutschland und entstand aus einer Papierfabrik. Der jüdische Fabrikbesitzer wurde gleich als einer der ersten Häftlinge in seinem eigenen Gebäude festgehalten. Dieses Konzentrationslager galt als eine Art „Testlager“ für die später von den Nationalsozialisten errichteten Lager.


In dem Konzentrationslager waren insgesamt um die 2500 Häftlinge, wobei die Gefangenen meistens nur vier bis sechs Wochen dort bleiben mussten. Die Insassen waren vor allem politische Gegner (Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter), die den Nationalsozialisten in der Öffentlichkeit im Weg standen. Sie wurden in „Schutzhaft“ genommen, und sollten im KZ zu „richtigen“ Menschen umerzogen werden. Das eigentliche Ziel der Nazis war jedoch die Ausschaltung jeglicher Opposition und die Einschüchterung der Bevölkerung. So wurden zum Beispiel auch Leute ohne besonderen Grund ins KZ Osthofen gebracht. Die Gefangenen mussten zuerst eine Aussage machen, ein Geständnis ihrer Taten ablegen und vor dem Entlassen auch unterschreiben, dass sie die ganze Zeit gut behandelt wurden.


 Die Haftbedingungen waren sehr hart. Die hygienischen Verhältnisse waren äußerst primitiv und die Häflinge schliefen anfangs auf dem nackten Betonboden, später auf selbstgebauten Holzpritschen. Die Insassen mussten einige völlig unsinnige Arbeiten verrichten (z.B. Sand mit einer kleinen Schaufel von einer Ecke zur anderen bringen oder sie mussten Papierschnipsel aufsammeln, wo keine waren, usw.). Weitere Schikanen und Demütigungen waren an der Tagesordnung.Verweigerte jemand die Zusammenarbeit wurde er ins Lager II gebracht, wo mit verschiedenen Methoden gefoltert wurde. Die Nationalsozialisten legten Wert darauf, dass keiner der Gefangenen starb, um die Bevölkerung nicht zu verschrecken, allerdings wurden viele durch Folter, die schlechten Bedingungen und zu wenig Nahrung krank und meistens nie wieder völlig gesund.


 An die Öffentlichkeit drangen diese Vorgänge allerdings erst Jahre später. Als die Presse nämlich das KZ besuchte, wurde die Einrichtung als effektives freundliches Umerziehungslager dargestellt. Für die Pressefotografen bekamen die Gefangenen viel zu essen, es wurde niemand bestraft und der Umgang mit ihnen verharmlost.


 In der Literatur kann man das Konzentrationslager Osthofen beispielsweise in dem Roman „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers finden. Es handelt von sieben Flüchtlingen von denen es nur einer schafft, ins Exil in die Niederlande zu fliehen. Die Jüdin Anna Seghers schrieb den Roman in ihrem Pariser Exil, er wurde 1942 erstveröffentlicht. Im Roman heißt das Lager „Westhofen“ und steht als Symbol für die Machenschaften in Konzentrationslagern schlechthin.


 1934 hatte das KZ Osthofen seinen Zweck als Testlager erfüllt und wurde geschlossen. Später wurde es als Möbelfabrik zwangsversteigert und heute ist es auf Wunsch ehemaliger Gefangener eine Gedenkstätte.


 Von Carmen Saaler und Johanna Raabe, G10a


 


 


 

   


 


 


 


 


Bildung zuerst!

Hilde Berta Morgenstern, verheiratete Rothschild, Dieburg, ca. 1927. Aus: Günter Keim, Beiträge zur Geschichte der Juden in Dieburg, Dieburg 1993, S. 116
Aus: Starkenburger Nachrichten 1914

 

Die Jüdinnen Hilde Berta und Erna Morgenstern besuchen als erste Mädchen die Dieburger Realschule mit Progymnasium.


Schon sehr früh beginnen Juden in die Bildung ihrer Kinder zu investieren. Gerade höhere Bildung erhält im 19. Jahrhundert und darüber hinaus für sie Priorität. So wundert es nicht, dass, nachdem seit dem Jahr 1919 auch Mädchen an der Dieburger Realschule mit Progymnasium – der heutigen Goetheschule (Mitarbeitende UNESCO-Projektschule) – aufgenommen werden dürfen, sogleich zwei jüdische Mädchen angemeldet werden und in den Genuss gymnasialer Bildung kommen. Die Recherchen der Klasse G10c und ihres Geschichtslehrers Karl Rupp ergeben, dass die Dieburgerinnen Hilde Berta und Erna Morgenstern als erste Mädchen im Schuljahr 1919/20 die Quarta des Progymnasiums besuchen. Die vom evangelischen „Klassenführer“ (Klassenlehrer) Karl Germann (geb. 21. April 1879 in Flonheim/ Rheinhessen) erstellte Zensur - Liste weist 44 Schüler und die beiden Schülerinnen Hilde Berta und Erna aus, die in den Fächern Religion, Deutsch, z.T. Latein, Französisch, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Naturgeschichte, Freihandzeichnen, Schreiben, Turnen und Gesang unterrichtet und benotet werden. Betragen und Aufmerksamkeit sind ebenfalls bewertet.


 Hilde Berta und Erna Morgenstern werden im Fach Religion am Progymnasium zusammen mit anderen jüdischen Schülern von Lehrer David Samuel Kaufmann unterrichtet, der seit dem 3.Oktober 1899 diese Tätigkeit dort ausübt. Die beiden Mädchen sind Töchter des Händlers Isaak Morgenstern und seiner Ehefrau Cäcilia geb. Friedmann. Isaak Morgenstern, geb. am 3. April 1874 in Sprendlingen, betreibt bis 1926 das Kaufhaus Morgenstern, dann ein Schuhgeschäft in der Steinstraße 4. Wegen der nationalsozialistischen Verfolgung verlassen die Morgensterns 1934 mit der am 5. März 1908 geborenen Tochter Erna Dieburg und ziehen nach Langen, später nach Frankfurt am Main. Sie werden von dort in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Von dort kommt Erna im Januar 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz, ihre Mutter wird im Mai 1944 dorthin deportiert. Beide werden ermordet. Der Vater Isaak Morgenstern stirbt am 3. Februar 1944 in Theresienstadt. Hilde Berta, geb. am 27. Februar 1907 in Neu-Isenburg, ist in erster Ehe mit dem Frankfurter Arzt Dr. Rothschild verheiratet, der bei dem November-Pogrom 1938 ums Leben kommt. Sie flieht in die USA, wo sie ihren zweiten Ehemann Julius Flörsheim heiratet. Hilde Berta Flörsheim verstirbt am 1. Oktober 1985 in Sturbridge, MA, USA.


 David Samuel Kaufmann, geb. am 23. Januar 1859 in Altenstein im heutigen Landkreis Hassberge/ Bayern, ist von 1882 an Lehrer der jüdischen Gemeinde Dieburg. Er versieht auch das Amt des Vorsängers in der Synagoge und ist zeitweise Schächter. Mit seiner Famillie wohnt er in der alten Synagoge (Markt 17) bis zu deren Abbruch 1928 und danach im Haus Markt 24. David Samuel Kaufmann verstirbt am 10. April 1935 in Dieburg, sein Grab befindet sich auf dem Dieburger Judenfriedhof. Er ist das siebte Kind des Altensteiner Metzgermeisters und Viehhändlers Samuel Kaufmann, geb. am 6. Dezember 1812 in Altenstein und dessen Ehefrau Mina Rau, geboren in Ermershausen. Samuel Kaufmann und Mina Rau heiraten am 26. November 1845 in Ermershausen. Als Trauzeugen fungieren Seligmann Kaufmann aus Altenstein und Lehrer Salzer aus Ermershausen. Das inzwischen umgebaute Wohnhaus von Samuel und Mina Kaufmann, gleichzeitig auch das Geburtshaus von David Samuel, ist in der Wilhelm-von-Stein-Str. 5  in Altenstein vorzufinden. Als weitere ausschließlich in Altenstein geborene Kinder sind zu nennen: Minna, geb. 11. Oktober 1846; Marianne, geb. 4. Februar 1848; Sarah, geb. 7. November 1849; Mathilde, geb. 2. September 1852; Jeanette, geb. 26. Februar 1854; Moses, geb. 3. Dezember 1855.


 David Samuel Kaufmann ist in erster Ehe verheiratet mit Fanny (Veiel) geb. Hofmann. Die 1860 in Wenkheim/Baden geborene Fanny ist die Tochter des Lehrers Lazarus (Löser) Hofmann und seiner Frau Bertha geb. Heimann. Fanny Kaufmann verstirbt am 20. August 1912 in Dieburg. Zwei Kinder bringt Fanny Kaufmann zur Welt: Josef und Mina, geb. am 5. Mai 1885 in Dieburg. David Samuel Kaufmann ist wohl in zweiter Ehe verheiratet mit Selma (Zippora) Kaufmann, gestorben am 10. Oktober 1932. David Samuel Kaufmanns Nachfolger Josef Zucker wird am 12. Dezember 1909 in Thüngen/ Unterfranken geboren. Auch er versieht neben seiner Lehrertätigkeit das Amt des Kantors und Schächters. Josef Zucker wohnt im Haus von Simon Lorch III. in der Darmstädter Straße 15. Dieburgs letztem jüdischen Lehrer gelingt am 13. Juli 1938 die Flucht nach New York, wo er vermutlich 1987 verstirbt.


 Die Gymnasiasten der Klasse G10c bitten in einem Brief an Bürgermeister Dr. Werner Thomas und den Magistrat der Stadt Dieburg, in einem zukünftigen Neubaugebiet eine Straße nach David Samuel Kaufmann zu benennen, um auch öffentlich das Andenken an den fast fünfzig Jahre tätigen Lehrer der Dieburger Juden zu bewahren.


Artikel im Dieburger Anzeiger zu der Gesprächsrunde mit der Zeitzeugin Cilly Peiser-Levitus

Im Dieburger Anzeiger vom 3.12.09 erschien ein Artikel zu der Gesprächsrunde mit der Zeitzeugin Cilly Peiser-Levitus, die am 01.12.2009 mit der Klasse G10A stattfand (siehe auch folgenden Beitrag).


Geschichte wird lebendig – Gesprächsrunde mit der Zeitzeugin Cilly Peiser-Levitus

Zur Zeit nehmen wir, die Klasse G10a, im Geschichtsunterricht den Nationalsozialismus durch, den uns Frau Keil und Frau Felkel in einer Gesprächsrunde mit der jüdischen Zeitzeugin Cilly Peiser-Levitus näher gebracht haben.

Frau Peiser wurde am 19. Oktober 1925 in Frankfurt am Main geboren und bekam schon als Kind die Schrecken des Nationalsozialismus zu spüren. Sie wuchs in einer streng jüdischen Familie mit drei Geschwistern auf.

 Am Morgen des 1. Dezembers 2009 hießen wir Frau Peiser mit dem Klezmer-Stück „Yankelee“ nach Giora Feidman, gespielt von Herrn Schönfelder, willkommen. Zuvor hatte sie den Papst in Rom besucht, wie sie uns erzählte.


Als Einleitung las sie uns einige Textstellen aus der von Lutz van Dijk geschriebenen Biografie „Zu keinem ein Wort!“ vor, um uns ihre Erlebnisse dieser Zeit näher zu bringen. Der Autor schrieb das Buch anhand ihrer Tagebücher. Im Film „Das Nadelöhr“, einer holländische Dokumentation, wird sie außerdem über ihr Leben interviewt.

 Cilly lebte mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern in einem jüdischen Waisenhaus in Frankfurt, da ihr Vater schon früh gestorben war. In der Reichspogromnacht 1938, vom 9. auf den 10. November, zerstörten SA-Männer jüdische Läden und brannten Synagogen nieder.


In dieser Nacht suchten viele Flüchtlinge Schutz im Waisenhaus, in dem Cilly mit ihrer Familie lebte, welches glücklicherweise unversehrt blieb. Einen Tage später wurde es jedoch von SA-Männern gestürmt und einige Angestellte und ältere Jungen wurden mitgenommen, die aber bald übel zugerichtet wieder zurückkamen. Auf einen Schlag änderte sich das Leben der Juden in Deutschland und die 8-jährige Cilly bekam den Hass christlicher Kinder, vor allem auf dem Schulweg, stark zu spüren. Von nun an war für sie und ihre Familie klar, dass sie Deutschland verlassen mussten, und als sich die Möglichkeit ergab, schickte ihre Mutter Cilly, 13 Jahre, und ihre kleine Schwester Jutta, 10 Jahre, mit einem Kindertransport nach Amsterdam. Dort kamen sie in ein strenges Mädchenwaisenhaus, das auf sie wie ein Gefängnis wirkte. 1940 bekamen sie die Nachricht von ihrer Mutter, dass ihre ältere Schwester Hanna mit einem Kindertransport nach Palästina flüchten konnte.

Während sie sich gemeinsam mit ihrer Schwester durch das Leben kämpfte, verlor Cilly den Kontakt zu ihrer Mutter und ihrem Bruder Josef, die sich immer noch in Frankfurt aufhielten. Langsam befiehl sie die Ahnung, dass die beiden womöglich nicht mehr leben würden. Doch die wirkliche Nachricht von deren Tod erhielt sie erst nach dem Krieg. In Amsterdam arbeitete Cilly ab 1941 in einer Kindergrippe und bekam dank ihrer Arbeit einen Stempel in ihren Pass, nach welchem sie nicht deportiert werden durfte. Doch 1943 wurde das Mädchenwaisenhaus geschlossen und alle Kinder und Angestellten verschleppt. Als eine der wenigen Verbliebenen schaffte sie es, Jutta vom Bahnhof zurückholen zu lassen. Seit dem lebten die zwei Schwestern in jüdischen Familien, die noch nicht abgeholt wurden und dank der Kinderbetreuung vorerst von der Deportation zurückgestellt waren.

Als Jutta eines Tages mit der Familie, bei der sie lebte, abgeholt wurde, schaffte es Cilly mit  Hilfe des SS-Mannes Alfons Zündler, das Leben ihrer Schwester zu retten. Anschließend konnten sie mit Hilfe ihres guten Freundes Jakob Flint und zweier christlichen Lehrerinnen unter falschen Namen in verschiedenen christlichen Familien auf dem Land unterkommen. Nach vielen Verstecken in Dörfern, bei denen sie manchmal nur knapp der Deportation entkam, mietete Cilly für sich und Jutta eine kleine Wohnung in Eindhoven und meldete sich als Krankenschwester für die Arbeit in einem Notkrankenhaus. Dort bekam sie erstmals entsetzt mit, was den Menschen aus den Konzentrationslagern passiert war. Sie waren nur noch „Gerippe“, wie sie es ausdrückt. Sie konnten ihnen dort nur mit gutem Essen helfen, da es keine Medizin gab. Trotzdem starben jeden Tag Menschen. Die schrecklichen Bilder dieser Zeit haben Cilly bis heute nicht losgelassen.

Viele Jahre später, nach Ende des Krieges, heiratete Cilly und wanderte mit ihrem Mann und Jutta nach Palästina aus. Dort wurde ihre Tochter Rina geboren. Doch erst mit ihrem dritten Mann, einem israelischen Funk-Offizier, wurde sie glücklich und ihr Sohn Benny wurde in Haifa, Israel, geboren. 1958 kehrte Cilly mit ihrer Familie nach Deutschland zurück, wo es erst sehr schwer für sie war und sie sich von älteren Menschen fernhielt. Sie wollte nicht mehr fragen, wer damals beteiligt war und wer nicht.

Im Jahr 2000 hat sie mit anderen Betroffenen die Organisation „Child Survivors Deutschland“ gegründet, für Menschen, welche die Zeit des Nationalsozialismus als Kind erlebt haben. Dort gibt es viele Therapeuten und Gruppen; die Betroffenen können sich aussprechen und ihre Erlebnisse untereinander austauschen.

 Cilly denkt, dass sie diese Zeit überstanden hat, liegt vor allem an dem vielen Glück, was sie hatte, allerdings mit Einschränkungen: Wieso sollte sie großes Glück gehabt haben, wenn Menschen aus ihrer Familie und ihrem ganzen Volk umgebracht wurden? Deshalb kann sie „Gott“ nicht wirklich dankbar sein. Sie findet aber, all ihre Erlebnisse haben sie zu dem Menschen gemacht, der sie heute ist. Vor allem mutig und stark gegen Unrecht zu sein, findet sie nach dieser Zeit sehr wichtig. Jüdische Feste für sich selber feiert sie aber nicht mehr, denn der Krieg und all ihre Erlebnisse haben ihr viel ihres Glaubens genommen. „Wenn man mit seinem Glauben allein ist, kann man ihn nicht mehr durchsetzen.“, so Cilly.


 Nach der Lesung aus ihrem Buch, konnten wir Frau Peiser Fragen zu ihren Erlebnissen, Gefühlen und ihrer Meinung stellen, welche sie uns sehr offen und ausführlich beantwortet hat. Als sie anfing, Schulklassen zu besuchen und ihre Erlebnisse zu erzählen, fiel ihr das noch sehr schwer. Aber sie findet es wichtig, gerade jungen Leuten diese Erlebnisse näher zu bringen, und es ist für sie auch vor allem ein Aufruf zur Zivilcourage.


Wir, die Klasse G10a, sind sehr dankbar, dass wir die Ehre hatten, mehr über das Leben im Nationalsozialismus durch den Besuch und die Erzählungen von Cilly Peiser-Levitus zu erfahren. Wir haben an diesem einen Tag und dank unserer Vorbereitungen auf ihn sehr viel gelernt. Außerdem war es für uns eine ganz andere und interessante Unterrichtsmethode, statt wie sonst trocken mit dem Geschichtsbuch zu lernen, persönliche Erlebnisse von Zeitzeugen zu erfahren. Diese Methode hat uns sehr gut gefallen.

 


                                                         Von Johanna Raabe, Alice Jansen und Sarah Pachnicke, G 10a

Geschichtsprojekt „Brandmale 2009“

Die Klasse G10a der Goetheschule Dieburg nahm mit ihrer Klassenlehrerin Frau Keil am Projekttag „Brandmale“ teil.


Exkursion KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Bericht aus Schülersicht


 


Am frühen Morgen des 15. Januars machten sich die Klassen G10a und G10b der Goetheschule Dieburg mit Herrn Rupp, Frau Günther und Herrn Schönfelder auf den Weg in die KZ-Gedenkstätte Mittelbau–Dora. Nach knapp 4,5 Stunden Fahrt kamen wir, im noch sehr verschneiten Thüringen, in Nordhausen an.


Dort begrüßte uns unsere pädagogische Leiterin, die uns durch die zwei folgenden Tage begleitete und uns über das Geschehen innerhalb des Konzentrationslagers informierte. In einem Seminarraum sammelten wir zuerst unsere Informationen und Fakten über die NS-Zeit. Danach besprachen wir unsere Erwartungen und Vorstellungen an diese zwei Tage.


Nach der Mittagspause schauten wir uns Bilder aus dem KZ und der NS-Zeit an. Auf den Bildern sah man Gefangene und auch NS-Leute. Die Bilder zeigten Holzbaracken, in denen die Gefangenen lebten. Des weiteren zeigten die Bilder den schematischen Aufbau einer V1 und V2 Rakete, die dort produziert wurde. Wir sahen den Appellplatz, das Krematorium und die Stollen, in denen die Gefangenen arbeiten mussten u.s.w.. Unter anderem enthielten die Bilder auch selbst angefertigte Zeichnungen von überlebenden Gefangen über ihre Häftlingszeit.


Nach einer weiteren Pause begannen wir mit einer Außenführung. Wir starteten auf dem Appellplatz, wo täglich zweimal alle 15.000 Gefangene eine Stunde lang gezählt wurden. Diese eine Stunde war für viele Gefangene tödlich.


Unser nächster Anhaltspunkt war das Gefängnis. Doch von diesem Gefängnis konnte man nur noch die Grundmauern der Arrestzellen sehen. Man erkannte, wie eng es war.


Es gab eine Widerstandsgruppe von ca. 20 Personen, deren Plan zur gemeinsamen Flucht entdeckt wurde. Gegenüber dem Gefängnis stand eine Holzbaracke, welche heute noch sehr gut zu erkennen ist. Holzbaracken sind rechteckige, einstöckige Häuser in denen die Gefangenen wohnten.


Aus der Kälte zurück besuchten wir anschließend die Dauerausstellung. Sie zeigte auf der einen Seite den Verlauf der Ereignisse im KZ und auf der anderen Seite die politischen Ereignisse von 1943-1945. In der Ausstellung konnte man sich Originaldokumente über Gefangene anschauen. Die Dokumente zeigten warum ein Gefangener hier war und wie er hieß, woher er kam, wie alt er war, was für einen Beruf er hatte und vieles mehr. Außerdem stellten wir fest, dass die Gefangenen aus vielen verschiedenen Ländern stammten wie zum Beispiel Tschechien, Belgien, Niederlande, Ukraine, Frankreich, Polen, Russland, Jugoslawien und Deutschland. In der Ausstellung konnte man sich auch Interviews mit Ex-Häftlingen anhören.


Am Ende dieses Tages verließen wir die KZ-Gedenkstätte und fuhren nach Nordhausen in die Jugendherberge.


Der zweite Tag startete mit weiteren Informationen über die Verhältnisse im Konzentrationslager. So wurden wir auch darüber informiert, dass es aufgrund des Nahrungsmangels in Einzelfällen Kannibalismus gegeben hat, zudem sorgten die Wärter für Streitigkeiten unter den Gefangen. Dies hatte mit Sicherheit auch den Grund, dass man nicht wollte, dass sich die Gefangenen zu gut verstanden und womöglich zu einer Gruppe wurden, die gegen die Aufseher rebellierte. Doch dazu kam es nie.


Heute ist bekannt, dass ca. 6% der Menschen, die in im Konzentrationslager Mittelbau-Dora litten, Deutsche waren, 12 % waren jüdischer Abstammung(die meisten aus Ungarn), 1/3 stammte aus der Sowjetunion, 1/3 aus Polen und das andere Drittel bestand hauptsächlich aus Franzosen und Belgiern, doch auch aus vielen Menschen mit anderen Staatangehörigkeiten.


In das Konzentrationslager Mittelbau-Dora wurden sie aus den verschiedensten Gründen gebracht und trugen verschiedene Bezeichnungen wie z. B : Berufsverbrecher, Zigeuner, Bibelforscher, Asozialer, jüdischer Rassenschänder usw. Besonders schwer hatten es Frauen zu dieser Zeit, da es ihnen passieren konnte, dass sie nur aufgrund einer „unangepassten“ Lebensweise in ein Konzentrationslager gebracht wurden.


Die ´´Gründe´´ für ihre Einlieferung konnte man bei Männern und Frauen gleichermaßen anhand eines farbigen Dreiecks auf der Kleidung erkennen, wobei es für jedes ´´Verbrechen´´ eine eigene Farbe gab.


In der Mitte des Dreiecks befand sich dann noch der Anfangsbuchstabe des Landes aus dem der jeweilige Häftling stammte.


Interessant ist hierbei, dass auch hier Deutsche bzw. Arier immer noch bevorzugt wurden und das, obwohl sie genauso in Ungnade gefallen waren wie ihre Mithäftlinge.


Nachdem wir nun sehr viel über das ´´Leben´´ in Mittelbau-Dora erfahren hatten, ging es nach draußen in die Kälte und in den immer noch einigermaßen gut erhaltenen Stollen. Der Stollen, so wurde uns berichtet, diente nach seiner Vorkriegsnutzung als Treibstofflager am Anfang noch als Konzentrationslager, und zwar weil die Baracken, in denen die Gefangenen später hausen sollten, zu den Anfangszeiten von Mittelbau-Dora noch nicht fertiggestellt waren. Hier schliefen zehntausende von Gefangenen auf engstem Raum, und nicht wenige starben in ihren unter der Last der vielen Menschen zusammengebrochenen Etagenbetten, da sie erdrückt oder erschlagen worden waren, und auch Epidemien spielten eine große Rolle.


Später zogen die Häftlinge dann in die Baracken um, wo sie jedoch auch kein sehr viel besseres Leben erwartete, da sie auf genauso engem Raum leben mussten. Im Stollen wurden fortan die zur damaligen Zeit als ´´Meisterstück´´ bezeichnete V2 Rakete und die Flügelbombe V1 hergestellt.


Alexander Spieß, Thomas Larem


Gedenken am 70. Jahrestag der Reichspogromnacht

Darmstädter Echo, 08.11.08, Nr. 262, S. 28
Dieburger Anzeiger, 10.11.08, Nr. 135, S. 3

Das Darmstädter Echo und der Dieburger Anzeiger berichteten von der Gedenkfeier im Dieburger Fechenbachpark am Sonntag, den 09.11.2008, die von der Klasse G10b der Goetheschule und deren Geschichtslehrer Herrn Rupp gestaltet wurde.


Zeitzeugin Cilly Peiser zu Gast an der Goetheschule

Auszug aus dem Darmstädter Echo vom 15.2.2008:

 

Eine Zeitzeugin bringt Geschichte nahe

DIEBURG. "Geschichte soll man nicht nur aus Schulbüchern lernen, sondern möglichst real erfahren", meint Karl Rupp, Geschichtslehrer an der Goetheschule in Dieburg. Er und sein Kollege Michael Schönfelder hatten Cilly Peiser zu Gast, die als junges Mädchen die Schrecken der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland miterlebt und in den Niederlanden überlebt hat.


Die Dreiundachtzigjährige war in Begleitung von Ursula Ernst von der Jugendbegegnungsstätte "Anne-Frank" nach Dieburg gekommen, las aus ihrer Biografie "Zu keinem ein Wort", einem Tagebuch voller schmerzlicher Erinnerungen. Sie plauderte mit den Schülern von zwei Gymnasialklassen, antwortete auf Fragen.


"Wir holen uns zu solchen geschichtlichen Themen solange das möglich ist Zeitzeugen. Wir hatten auch schon einen KZ-Überlebenden zu Gast" erklärt Karl Rupp. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts werden so auch in diesem Jahr wieder Schüler aus Dieburg eine Exkursion unternehmen. Diesmal ist das ehemalige Konzentrationslager in Natzweiler-Struthof im Elsass das Ziel. "Derartige Eindrücke bleiben besser in Erinnerung als lediglich das Lesen von Büchern und Unterricht in der Schule", so Rupp. [...]



 Auszug aus dem Dieburger Anzeiger vom 18.2.2008:

 

Überlebene des Holocausts lässt Schüler an ihren Erinnerungen teilhaben

[...] Nach anderthalb Stunden hat sie mit Sicherheit nicht ihr geplantes Leseprogramm absolviert - es fehlen viele Teile ihrer Biographie -, dafür aber hat die Zeitzeugin ein lebendiges Gespräch mit den Schülern geführt, die mit viel Interesse und Respekt vor der alten Dame die beiden Unterrichtsstunden mit ihren Fragen mitgestalteten.


Und Cilly Peiser gelingt es auch, trotz der bitteren Erlebnisse, die sie beschreibt, eine offene Stimmung beizubehalten. [...]


Alfred Delp - Ein Schüler unserer Schule

Alfred Delp
Alfred Delp 15.09.1907 - 02.02.1945
Alfred Delp inmitten seiner Abiturklasse 1926

 


 


100. Geburtstag von Alfred Delp

 


Alfred Delp wurde am 15. September 1907 geboren. Am Freitag, den 15. September  2007 findet dazu eine kleine Gedenkfeier im Foyer des Altbaus (Gebäude 1) der Goetheschule statt.


 


60. Todestag des Widerstandskämpfers Alfred Delp am 2. Februar 2005

 

Am 2. Februar 1945 wurde der Jesuitenpater Alfred Delp in Berlin-Plötzensee als Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises hingerichtet. Alfred Delp, am 15. September 1907 in Mannheim geboren, zog 1922 in das Dieburger Bischöfliche Konvikt und besuchte die Obertertia des Dieburger Gymnasiums, die heutige Goetheschule. Während der Schulzeit schloss er sich dem 1919 gegründeten katholischen Jugendbund "Neudeutschland" an, in dem er sich als Gruppenführer engagierte. Delp trat nach dem in Dieburg glänzend bestandenen Abitur 1926 in den Jesuitenorden ein und erhielt 1937 die Weihe zum Priester.


 


Die Schulgemeinde der Dieburger Goetheschule gedachte am 2. Februar 2005 mit einer Kranzniederlegung an der Gedenktafel ihres ehemaligen Mitschülers. Auch Vertreter des öffentlichen Lebens der Stadt Dieburg und der Kirchen würdigten das Wirken Delps. Anschließend wurde die Ausstellung "Widerstand und Zivilcourage" in der Aula eröffnet, die von Schülern der Abschlussklassen während der Projekttage konzipiert wurde.


Gegen Abend fand in der Aula der Goetheschule eine interreligiöse Gedenkfeier zu Ehren Alfred Delps statt, die von Schülern der Goetheschule und den Pfarrern der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul und der evangelischen Kirchengemeinde sowie dem Hodscha der islamischen Glaubensgemeinschaft Dieburg gestaltet wurde.


 


 


 


Studienfahrt nach Verdun

 


Sichtlich beeindruckt waren die Schülerinnen und Schüler der Klassen H9a und H9b mit ihren Lehrerinnen Ursula Eckermann und Annelie Weissgerber, als sie die 5000 Betonkreuze des französischen Nationalfriedhofs sahen.


 


15000 französische Soldaten haben hier ihre letzte Ruhe gefunden.


 


Soldaten, die in der "Hölle von Verdun" ihr Leben verloren haben.


 


Im Rahmen der Unterrichtseinheit "1. Weltkrieg" führten die beiden Klassen am 12. Oktober 2005 eine Studienfahrt nach Verdun durch, um vor Ort einen Eindruck von dem riesigen Schlachtfeld zu erhalten.


 


Noch heute sind die Felder und Äcker des Landstrichs im Norden Lothringens von der Schlacht gekennzeichnet.


 


In der Gedenkstätte "Mémorial de la Bataille de Verdun" konnten die Schüler eine Reliefkarte sehen, die den Ablauf der Schlacht verdeutlicht; ebenso die Nachbildung des Geländes mit Granattrichtern, zerschossenem Unterstand und Kriegsmaterial.


 


Ein wahres Labyrinth mit kilometerlangen Galerien und Gängen ist die ehemals stärkste Festung der Welt, das Fort Douaumont.


 


Fast fünf Stunden lang hielten sich die beiden Klassen auf dem riesigen Areal auf.


 


Bereits auf der Hinfahrt wurde der amerikanische Soldatenfriedhof in St. Avold und der deutsche Soldatenfriedhof in Hautecourte besichtigt.


 


Zu dieser Studienfahrt erstellen die Schüler eine Projektmappe


Zu Verdun siehe auch Schulprogramm - Verdun.